Saman kochte

Zwei Jahre lang bemühte er sich kulinarisch um Wolkersdorf, mit Ende 2017 schloss die Fahrradküche wegen zu geringer Nachfrage. Schade!

Menschen ändern sich nicht, hört man ja öfter, doch dass das so nicht stimmt, beweist auch Saman Tabassi aus Münichsthal. Schließlich hat er vor Jahren seinem Leben eine regelrechte 360 Grad-Wendung verpasst: Vom Wiener Innenstadt-Barkeeper, der in den angesagtesten Lokalen nächtelang Cocktails shak(er)te, zum umwelt- und ernährungsbewussten Familienvater, der mit seiner Frau gar einen eigenen Lernverein zum „Homeschooling“ gegründet hat.

Saman Tabassi kocht in seiner Fahrradküche in Wolkersdorf auf. www.samankocht.at

5 Elemente statt Burenwurst

Zugegeben, so ganz ohne Stimulans ging diese große Veränderung ja nicht ab. Und eigentlich war sie Gattin Sophia zu verdanken, die sich in ihrer ersten Schwangerschaft ganz der gesunden Ernährung verschrieben hatte. Da musste Saman wohl oder übel mit. Und als sich das zweite Baby ankündigte, war endgültig Schluss mit lustig.

Die Auseinandersetzung mit einer Ernährung nach den 5 Elementen wurde zu einem spannenden Thema und Saman, der die fröhlichen Nachtjobs nun gegen ein solides Leben als Familienvater einttauschte, absolvierte Ausbildungen, um die Ernährungsphilosophie der Traditionellen Chinesischen Medizin von der Pike auf zu erlernen. Als er dann all das Wissen durstig aufgesogen hatte, stellte sich die Frage, wie er davon auch andere Menschen überzeugen konnte. „Ich bin ein Praktiker“, sagt Saman, dem man seine persischen Wurzeln ansieht, auch wenn er in Wien zur Welt kam. Vorträge waren also nicht so sein Ding, er wollte das geballte Wissen auf die Teller bringen.

Die Idee eines eigenen Speiselokals stand zwar im Raum, zerschellte aber spätestens an den Vorgaben der Banken für eine Finanzierung. Da war Kreativität gefragt und davon hat Familie Tabassi ja Gott sei Dank reichlich.

Mit Hilfe von Crowdfunding konnte Saman zwar kein eigenes Lokal finanzieren, aber doch seine geniale Fahrradküche, mit der er „ohnehin viel flexibler und eben auch mobil“ ist. Es dauerte schon eine Weile, bis Saman den passenden Standort gefunden hatte. Im Wolkersdorfer Industriegebiet und im Rahmen des Wochenmarktes am Hauptplatz war die Nachfrage nach gesundem Mittagsmenü eher schleppend. Aber schließlich ergab sich dann der ohne perfekte Platz: So steht Saman seit einigen Monaten mit seiner quietschgelben Fahrradküche nun fix gleich neben dem Wolkersdorfer Bioladen von Lukas Hanig am Julius Bittner-Platz. An den Wochentagen stellt er hier von 12 bis 13.30 Uhr allmittäglich sein Spezialfahrrad ab, um die ernährungsbewusste Gesellschaft mit seinem biologischen Menü-to-go zu verwöhnen.

Vegetarisch – biologisch – liebevoll

Abwechslung gibt es auf Samans Speiseplan reichlich, denn natürlich landen nur regionale und vor allem saisonale Lebensmittel in seinen Kochtöpfen. Seine vegetarische Küche ist nicht selten persisch inspiriert, und orientiert sich an den Grundsätzen der TCM-Ernährungslehre.

„In der kalten Jahreszeit gibt es wärmende Suppen zur Hauptspeise, jetzt im Sommer dafür öfter kühlende Desserts“, erklärt er sein Konzept, das ein gesundes Menü um acht Euro bietet. Wer sein Geschirr mitbringt, kann die 50 Cent zusätzlich für die Verpackung sparen.

Auch wenn es sich erst langsam herumspricht, dass Saman mit seiner Fahrradküche in Wolkersdorf unterwegs ist, hat sich schon ein erfreulicher Stammkundenkreis formiert. „Ein echter Renner ist die Lasagne, die es immer donnerstags gibt“, freut sich der innovative Unternehmer über die große Nachfrage. An jedem zweiten Mittwoch kredenzt Saman Falafel aus der Fahrradküche.

Die Rohstoffe kommen am liebsten von den umliegenden Biobetrieben, die Saman persönlich kennt und denen er vertraut, „aber manchmal kommen auch Stammkunden mit einer Kiste voller Kräuter oder Gemüse aus ihrem eigenen Garten.“ Und für manches, wie beispielsweise Bärlauch, schwärmt Familie Tabassi auch geschlossen in die umliegenden Auwälder aus.

Artikel aus der Wein4tlerin Sommer 2017 – gekürzte Fassung
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