Monika Wagner: Prima Donna

Sie ist nicht nur die erste Feuerwehrkommandantin des Weinviertels, sondern macht sich als Pionierin auch am zweiten Standbein ihren Namen. Ein Leben inmitten von Gemeinschaft, Sicherheit & Frauen.

Eigentlich wollte Monika Wagner nur ein bisschen Anschluss an die Gemeinschaft finden, als sie 2007 aus der Großstadt wieder in die Weinviertler Heimat zurückkehrte. Und wenn man nicht im Kirchenchor singen mag, handarbeitstechnische Talente mitbringt oder sich mit Kleinkindern einbringen kann, liegt die Freiwillige Feuerwehr in unseren Breiten ja geradezu auf der Hand.

ERZÄHLT VON LILLY DIPPOLD

 

Also klopfte die Geschäftsführerin des Wiener Country & Sports Clubs an die roten Tore in Tresdorf, wo man(n) sie zu ihrer eigenen Überraschung ohne jegliches Stirnrunzeln willkommen hieß.

Einige Frauen, die sich auch gerne im Rahmen der Freiwilligen Feuerwehr engagieren würden, können bestätigen, dass dies ganz und gar nicht selbstverständlich ist. Denn vielerorts halten die Feuerwehrmänner ihren angestammten Verein lieber frauenlos und bleiben unter sich. Nicht so in Tresdorf, wo man Monika Wagner nicht nur völlig unaufgeregt in die Truppe integrierte, sondern sie im vergangenen Jahr, als der damalige Kommandant überraschend seinen Dienst quittierte, gar mit 98 Prozent Stimmenmehrheit zur Kommandantin wählte. Übrigens zur ersten im gesamten Weinviertel!

„Ich war total gerührt und natürlich auch sehr stolz, dass mir meine Kollegen so viel Vertrauen schenkten und mir diese große Verantwortung auch zutrauten“, so die frischgebackene Chefin der Tresdorfer Silberhelme. Doch die wackeren Feuerwehrkollegen hatten wohl die Fähigkeiten ihres „Kuckuckskinds“ gut eingeschätzt. Schließlich ist Monika Wagner sehr erfahren im professionellen Umgang mit Menschen, bringt großes Verhandlungsgeschick und rhetorisches Talent mit. So geführt, brilliert die Tresdorfer Truppe nun mit ihrer Chefin bei Sponsorenverhandlungen, Veranstaltungen und mit einer talentierten Rednerin, wenn etwas einmal laut gesagt werden muss.

Frauen führen

Mag sein, dass es sich auch langsam herumspricht, dass Frauen eben anders führen. „Ich sehe keinerlei Veranlassung für autoritären Führungsstil in unserem Team. Ich bin Teil einer engagierten Gruppe von Freiwilligen, da ist keiner besser gestellt oder mehr wert. Warum also sollte ich hier eine „Chefin“ herauskehren? Und da ist mir auch wichtig, dass die Kollegen wissen, wie sehr ich sie wertschätze. Schließlich können wir nur gemeinsam gut bestehen.“

Vertrauen ist ein wichtiger Bestandteil der Freiwilligen, schließlich muss man sich im Einsatzfall hundertprozentig aufeinander verlassen können. Und auch Monika Wagner vertraut ihren Männern, denn als Kommandantin trägt sie die Verantwortung für deren Tun. Für jeden Fehler im Team müsste die Weinviertlerin ihren Kopf hinhalten. „Deshalb wird bei uns auch viel Wert auf laufende Schulungen gelegt. Mehr als vierhundert Stunden waren es allein im vergangenen Jahr, auch heute abend steht wieder eine Atemschutzübung auf unserem Programm“, erzählt sie nicht ohne Stolz. Dass unter ihrer Führung bald ein neues Einsatzfahrzeug das dreißig Jahre alte ersetzen wird, ist der burschikosen Frontfrau eine besondere Ehre. Doch auch hier fällte sie die Kaufentscheidung nicht im Alleingang, sondern zusammen mit dem Team.

Und dieses scheint ihr Engagement zu danken, denn war ihre Bestellung im Vorjahr durch den Rücktritt nur für ein Jahr vorgesehen, bestätigte die Kollegenschaft bei der offiziellen Wahl die Entscheidung erneut mit so überwältigender Mehrheit. Und Monika Wagner wiederum dankte das Vertrauen damit, dass sie die Kommandantenschulung statt im zulässigen Zeitraum von zwei Jahren flugs in nur zwei Monaten absolvierte. Respekt!

Die Wagnerin

Wer jetzt denkt, dass das Leben der Frau Feuerwehrkommandant ganz schön ausgelastet ist, kann sich noch einmal zurücklehnen und mit seinem Applaus zuwarten, denn wir haben mit unserer Geschichte ja gerade erst begonnen.

Im Country & Sports Club am Gelände der ehemaligen Raffinerie Floridsdorf bietet die Betriebssportvereinigung Shell auf einer Fläche von 22.500 Quadratmetern nicht nur Sportliches in- und outdoor, sondern hier werden auch Seminare, Empfänge und Feste abgehalten. Eine kreative Spielwiese für Monika Wagner, die die Organisation hier mit ihrem Team schupft, aber auch ein Platz, an dem sie mit vielen Menschen in Kontakt kommt. „Und da ist es nicht nur einmal passiert, dass mich Frauen nach Abendveranstaltungen gebeten hatten, für Sie ein Taxi, ›aber bitte mit einer Fahrerin‹, zu rufen. Doch selbst in einer Weltstadt wie Wien ist das nächtens ein fast unlösbares Unterfangen!“

Ja, und dann ist da noch die 85-jährige Tante, die seit fünf Jahren verwitwet ist und abends das Haus nicht mehr verlässt, weil sie Angst vor dem Heimweg im Dunkeln hat. Und dass diese Angst gar nicht so irreal ist, davon konnte sich Monika Wagner erst kürzlich gleich auf zwei Messen überzeugen: „Heute ist das leider kein Einzelschicksal mehr. Viele Frauen bleiben aus Furcht vor Repressalien oder Überfällen lieber gleich ganz zu Hause. Ich habe hier schon furchtbare Geschichten gehört“, erzählt Monika Wagner, immer noch schockiert von den vielen berichteten Vorkommnissen.

Doch gleichzeitig fand die findige Unternehmerin es auch ganz und gar nicht in Ordnung, dass sich Frauen aus Angst in ihrer Freizeit so einschränken. Und so dauerte es gar nicht lange, bis der Samen in Monika Wagner zur Realität herangekeimt war.

Frauen chauffieren Frauen

Nach einigen bürokratischen Hürden, der Erfüllung von zahllosen Auflagen und Vorgaben, konnte die Weinviertlerin endlich ihr (noch) kleines Unternehmen starten. Was lag denn schließlich näher, als jene Frauen, die von Frauen gefahren werden möchten, einfach selbst zu chauffieren?

Der Gesetzeslage entsprechend startete Monika Wagner also im vergangenen Herbst mit der Wagnerin ihr eigenes Mietwagenunternehmen, mit dem sich Frauennun von Frauen chauffieren lassen können. Und wie genial ihre Idee war, diese Marktlücke zu füllen, beweist die überglückliche Kundschaft. Wie eine Dame aus Tresdorf, die sich von der Wagnerin nun regelmäßig nach Wien in die Oper und ins Theater fahren und dort wieder abholen lässt. Jahrlang hatte sie sich dieses Vergnügen versagt, weil sie den nächtlichen Heimweg gescheut hatte. „Auch morgendliche Fahrten zum Flughafen sind sehr beliebt, dann beginnt mein Arbeitstag eben an diesen Tagen etwas früher“, grinst die zweifache Hundemutter, deren bezaubernder Goldendoodle-Welpe – eine bei uns noch seltene Kreuzung aus Golden Retriever und Königspudel – es sich während des Interviews auf meinen Stiefelspitzen gemütlich gemacht hatte.

Die Wagnerin läuft so hervorragend an, dass Monika Wagner, sobald sie alle gesetzlich erforderlichen Schulungen und Fristen absolviert hat, schon an Expansion denkt. Angst kennt sie selbst dann keine, wenn sie Damen auf verlassene Friedhöfe führt. „Zum einen fahren wir ja nur auf Bestellung und nur für Frauen, es steigen also keine fünf Unbekannten nachts in mein Auto. Zum anderen bin ich ausgebildete Judoka und Pfefferspray hilft im Notfall wohl auch“, winkt die Unternehmerin ab. Viel wichtiger ist ihr, dass sie mit ihrem Fahrservice bei so vielen Frauen Angst vermeiden und Lebensqualität steigern kann.

Und Lebensqualität, die ist auch für Monika Wagner wichtig. Egal, ob sie mit ihren beiden Hunden durch die heimatlichen Felder und Wiesen im Weinviertel streift, oder in Mußestunden ihren – mittlerweile 20 ! – Hühnern im Garten bei ihrem bunten Treiben zusieht.

Jetzt ist wohl die richtige Zeit für ihren Applaus. Es sei denn, Sie fragen sich jetzt (wie wir), wie viele Stunden so ein durchschnittlicher Tag bei Monika Wagner eigentlich hat.

Aber es ist wohl schon so, dass alles, was Frau mit solcher Freude und Leidenschaft anpackt, nicht Arbeit, sondern vielmehr Hobby ist, und damit können die Tage wohl gar nicht lang und erfüllt genug sein. Eine Steigerung der Lebensqualität eben. Schön, wenn das gleichzeitig für einen selbst und für andere zutrifft!

Aus der Wein4tlerin Frühling 2017
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