Unsere Wies’n: heilsam & lecker

Startseite|Unsere Wies’n: heilsam & lecker

Unsere Wies’n: heilsam & lecker

Wer etwas für die Schätze von Mutter Natur übrig hat, sollte nicht verabsäumen, einmal mit Kräuterhexe Rosa Leisser durch Wald und Wiese zu streifen. Oder auch einfach nur auf letzterer aufmerksam stehen zu bleiben.

„Da, wo wir jetzt stehen, da findet man schon eine ganze Menge“, sagt die Kräuterkundige zum Auftakt unserer heutigen Kräuterwanderung beim zweiten Modul der Ausbildung zur Weinviertler Kräuterhexe. Und während sich unsere Gruppe auf zwei Quadratmetern um Rosa zusammendrängt, zeigt sie uns Löwenzahn, Gundermann, Brennnessel, Wegwarte, Vogelknöterich und Beifuß. Pflänzchen, die mir weitestgehend bis heute nur als Unkraut bekannt waren, und die jeder von uns bestimmt schon viele Male gesehen hat. So beeindruckt gehe ich gleich vom Start weg in die zweite Runde meiner Kräuterlehre in Neuruppersdorf.

Wie schon erwartet, gestaltet sich eine Kräuterwanderung im Schlepptau der Kräuterhexe ganz anders, als in der Vorwoche unter biologischer Führung. Rosa erzählt von den unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten der Heil- und Küchenkräuter – die meisten von ihnen sind überraschend genießbar und finden sich ein wenig später in der grünen Powersuppe wieder, mit der wir heute verwöhnt werden. Wir erfahren von hilfreichen Inhaltsstoffen wie Kieselsäure (für Haut, Haare und Nägel), die wir uns – ganz ohne Spezialdragees – einfach am Wegesrand pflücken können. Von heilsamen Schleimstoffen in allen Malven, von der Heilkraft der Gundelrebe bei eitrigen Wunden und davon, wie gut sich der Stiel (ups, nennt man ihn jetzt wirklich so?) von Beifuß als Grillspieß eignet.

Auch von unseren Bäumen wie Kastanie, Eberesche, Birke und Linde weiß Rosa Leisser viel zu erzählen, denn sie alle haben für uns hilfreiche Blätter, Blüten und Früchte bereit. Und wir lernen, wie sehr wir uns in der Küche mit dem, was rings um uns wächst, besondere Geschmacks-und Vital-Erlebnisse schaffen können: Mit Klettenstengeln, Nelkenwurz, Breitwegerich (der herrlich nach Pilzen duftet und sich gut in Semmelknödeln macht), Wiesensalbei oder den Blüten der Pastinaken, die mir bislang nur als Wurzeln bekannt waren.

Nach unserem lehrreichen Ausflug ins Grüne geht’s zurück in den Leisser’schen Weinkeller, wo wir wieder viele Literaturempfehlungen, frischen Traubensaft und das schon erwähnte Süppchen bekommen. Rosa Leisser zeigt uns, wie wir uns mit Efeu und guter Ölbasis eine Ölmischung für müde Beine machen können, wie wir aus der Wurzel von Schöllkraut eine Warzentinktur herstellen und wir erfahren viel über die Zubereitung von Kräuterweinen, -schnäpsen und -likören. Aus großen Papiersäcken holt die Kräuterfrau für uns ihre eigenen Schätze hervor: Zitronenverbene, Ananassalbei, Rosenblüten und noch viel mehr hat sie auf Vorrat gesammelt und getrocknet. Wir lernen, wie und wann Kräuter richtig gesammelt und aufbewahrt werden und dürfen eine Kostprobe ihrer Spezialteemischung mit nach Hause nehmen.

Auch heute brummt (nicht nur) mir der Schädel von den vielen Eindrücken, Erlebnissen und dem eifrigen Wunsch, mir all das Gesehene und Gehörte zu merken. Auf dem Heimweg durch das längst dunkle Land um Laa bemerke ich irgendwann mein Lächeln, mit dem ich da durch die finstere Nacht fahre. Es ist eine ganz besondere Zufriedenheit, die mit mir reist – ein schönes Gefühl, bald noch viel mehr im Einklang mit der Natur zu sein. Danke Kräuterhexe Rosa Leisser!

12. September 2013|Kommentare deaktiviert für Unsere Wies’n: heilsam & lecker