Stefan Gössinger: Mit Leidenschaft und Disziplin

erzählt von Jimmy Schlager

Mit Schirm, Charme und Melone hieß eine schwarz-weiße Krimiserie meiner Kindheit. Mit Anzug, Charme und spitzbübisch leuchtenden Augen sitzt mit Stefan Gössinger, einer der umtriebigsten Musiker des Weinviertels, im Kaffeehaus gegenüber und ich muss irgendwie an Emma Peel und John Steed denken. Fragen Sie mich nicht, warum!

Eine gute halbe Stunde lang erzählt er mir Geschichten und G´schichtln aus seinem facettenreichen Leben. Ich hab ein wenig mitgeschrieben, es war zu viel um es sich einfach nur so zu merken …! Denn es ist in erster Linie die Vielseitigkeit seiner Tätigkeiten, die schon sehr beeindruckend ist. Eine Dreifaltigkeit aus Musik, Beruf und Familie tut sich da auf, innerhalb der er auch im Gespräch wie auf Knopfdruck immer wieder hin- und herwechseln kann.

Aus allem wird mit gefühlter Leidenschaft erzählt. Und wenn es die Leidenschaft ist, die ihn antreibt, so ist es die Disziplin, die ihm den Rahmen dazu gibt. Es erfordert schließlich ein ausgekügeltes Zeitmanagement, und die damit verbundene Konsequenz in der Umsetzung, um all seinen Berufungen gerecht zu werden. Und da kann es schon passieren, dass ein post-konzertantes Besäufnis eben ohne den Stefan stattfinden muss. Überall muss man ja nicht dabei sein, oder – um mit Hans Moser und Paul Hörbiger zu sprechen: „Es wird a Wein sein – und mir werden nimmer sein …!“

Musizieren tut er schon seit seinem vierten Lebensjahr. Die Blockflöte als Einstiegsdroge führte ihn zur Klarinette und diese ließ ihn dann übers Schlagzeug zur Trompete finden. „Ich hab für die Szene eigentlich eine untypische Musikerkarriere“, meint er. „Ich war auf keinem Konservatorium und auf keiner Hochschule, ich hab mir das alles selber beigebracht und nebenbei immer wieder Kurse, Seminare und Workshops bei guten Leuten besucht, die mich interessiert haben!“

Die intensive Auseinandersetzung mit der Musik und seine instrumentale Vielseitigkeit haben ihm den Weg in die österreichische Musikszene geöffnet. Sein Spiel, in Verbindung mit seiner angenehmen Persönlichkeit, wird von vielen Kollegen gelobt. Auch das Fernsehen kommt nicht ohne Gössinger aus! Für die Sendung „Sehr witzig!?“ wurde ein Musikteil konzeptioniert. Und weil es für Musik immer wenig Geld gibt, wollte man sich keine große Band leisten. Da kommt so ein Multi-Instrumentalist wie der Stefan gerade recht. Und weil er außerdem mit dem Gerry Seidl schon bei der Cover Band „Austrotop“ gemeinsam auf der Bühne stand, war es klar, dass er als One-man-Band die Sendung bespielen würde! Auf Puls4 heißt er dann: „Bernd die Band“, was zumindest bei mir zu Hause für einige Verwirrung sorgte, denn als ich beim Zappen zufällig den Sender streifte, sagte ich zu meiner Frau: „Schau, das spielt der Gössinger Stefan!“, worauf sie mir zur Antwort gab: „Der heißt aber Bernd!“ „Na ja“, sagte ich, „aber ausschauen tut er wie der Stefan!“

Und ich bin sicher, dass sie für diese Sendung keinen Besseren als den Stefan finden konnten! „Die Aufgabe ist, dass man schnell auf Situationen und Stimmungen reagieren muss! Das geht mit einer Band nicht, weil da die Dinge erst besprochen werden müssten, aber wenn ich alleine bin, dann kann ich sehr schnell mit einer Melodie oder ein paar Tönen auf das reagieren, was sich aus der laufenden Sendung ergibt!“, sagt er, um dann schelmisch nachzusetzen: „Und da ich quasi unwissentlich fast tausende Lieder im Kopf habe, muss ich nur ein bisserl zuhören und die G’schicht laufen lassen, dann kommen die Einfälle von ganz von selber …!“

Die Aufzeichnungen zu dieser Fernsehshow sind aber nur ein kleiner Teil seiner musikalischen Arbeit. Als Trompeter ist er heiß begehrt und viel unterwegs! Es verlassen sich Leute wie Andy Lee Lang, Monty Beton oder die deutsche Bluesband „BB & the Blues Shacks“ auf den Ansatz, den Ton und die Spielfreude des Münichsthalers. Dass er nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich besticht, ist ein Tenor, den man von vielen dieser Kollegen zu hören bekommt. Auf den Stefan ist eben in jeglicher Hinsicht Verlass, und das ist in dieser Branche ein durchaus gewichtiger Wert.

Diese Beliebtheit ist natürlich mit Konsequenzen verbunden: Das sind viele Kilometer auf der Autobahn, zahllose Nächte in diversen Hotelzimmern und verrauchte Abende in diversen Backstage-Bühnenbereichen, wo bei Wurstplatte und Brötchen die Zeit zwischen Soundcheck und Auftritt zerrinnt wie Honig, den man im Dezember auf dem Gartentisch vergessen hat. Das kann schon sehr, sehr zäh werden.

Aber wer es schafft, auch diese Zeit kreativ zu nutzen, der kann selbst aus jener Verlegenheit noch Möglichkeiten schöpfen! In solchen quasi halbfreiwilligen Wartezeiten hat das Hirn manchmal Auslauf und schaltet den Fantasiegang ein. Da werden dann Beobachtungen aus dem realen Leben mit Fantasie ergänzt, erfühlt und aufgeschrieben. Stefan macht das gerne, denn dann kommt ihm die Zeit nicht so verplempert vor und selbst das Warten auf einen Zug in Wien Landstraße wird dadurch zu einem Quell der Inspiration …

aus der Wein4tlerin Ausgabe Winter 2017
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