Pepi Hopf: Der Schmäh des Friedhofsgärtners

erzählt von Jimmy Schlager

Am liebsten haben es Künstler wenn das Auftragstelefon läutet und eine Benefiz-Anfrage gestellt wird. Schlagartig verkleinern sich die Gehörgänge und das „Geh, biiitteee“-Gefühl wird von der ironischen Frage abgelöst: „Für wen denn? Vielleicht für mich?“ Aber weil das sensibel-weiche Herz gerne die harte Realität des Kontostandes  ignoriert, sagt man dann halt doch irgendwie zu und man denkt sich: „Wer weiß, wofür es gut ist …“.

 

Und weil es anscheinend auch anderen künstlerischen Weichseelen so geht, durfte ich so vor einem Jahr den Kabarettisten Pepi Hopf kennenlernen. Bei einer Benefizgala, die wir gemeinsam künstlerisch bestreiten durften. Ich hab ihm dabei gleich vor seinem Auftritt sehr feinfühlig erklärt, dass ich ja nicht so der Kabarettbesucher bin, weil ich mir mit geplantem Lachen immer so schwer tue.

Aber diese Skepsis war bei ihm wirklich unbegründet. Mit lässiger Souveränität knallte der Hopf eine unglaublich kurzweilige Performance ins Publikum, dass es nur so rauchte. Sein Schmäh ist fern jeder Plattheit und von einer Schärfe, der man kaum ausweichen kann. So etwas weckt dann auch gleich mein Interesse, zu dem das Erstaunen dazukam: „Was? Sowas gibt´s bei uns ums Eck …?“ Ja, gibt es! Und zwar in Haringsee.

Gut, die geografischen Hardliner werden jetzt wieder glauben, dass Haringsee im Marchfeld liegt und soviel mit dem Weinviertel zu tun hat, wie eine Flachse mit dem Gulasch. Aber dem ist nicht so, deshalb gibt’s auch hier die Geschichte:

Mit 13 Jahren wollte er ursprünglich Koch werden, aus dieser Zeit hat er sich bis heute das Rezept vom „Tiroler Gröstl“ merken können (das er uns beim Interviewtermin auch relativ souverän und salzlos serviert hat … ). Danach ergab sich die Chance, bei der Gemeinde Wien als Friedhofsgärtner zu arbeiten. „Då håst dåmois 12.000 Schilling fürs Gräbergiaßn kriagt! Und a Foab håb i nebenbei aufg’rissen, dass der Bådewaschel im Stadionbåd neben mir ausg’schaut håt, wia a Schärdinger!“, so Pepi im O-Ton. Ein Karriereweg war gefunden, aber irgendwie war es ihm halt dann doch zu wenig, und weil das „blöde Reden“ immer schon seine Leidenschaft war, folgte er seiner „schweren Persönlichkeitsstörung mit „narzisstischen Tendenzen“ (wieder O-Ton), und suchte seinen Weg auf die Kabarettbühnen.

Foto: Graph Line e.U.

Der war anfangs noch nicht so von Glamour gesäumt … Mit „Pepi Hopf & die Buben“ (zwei Freunde haben ihn musikalisch begleitet) trat er von 1996 bis 2001 sporadisch auf „Nå jå, so hin und wieder amoi, waun hoid de Mama Zeit g’håbt håt zum Zuaschauen …“ Danach kam das erste Soloprojekt, und damit spielte er dann bei der „Langen Nacht des Kabarett“. Mit Thomas Stipsits, Klaus Eckel und Martin Kosch durfte er sich damals die Bühne teilen und durch ganz Österreich touren. Von da an gab es kein Zurück mehr und der Hopf machte sich sowohl bei Publikum, wie auch bei den Veranstaltern einen Namen.

Das funktionierte eine Zeitlang recht gut und der Hopf war zufrieden. Aber irgendwann holte auch den frohgemuten Freigeist der Ernst des Alterns ein. Aber halt auch nur ein bisschen …

Zur Schaffung der finanziellen Sicherheit besann er sich auf seine frühere Ausbildung und bastelte sich ein „zweites Standbein“ als Gärtner. Und wie so vieles im Hopf’schen Leben ging auch das eher spontan: Im Wirtshaus hörte er einen Marchfelder Bauern jammern. Der war unzufrieden mit dem Leben und der Landwirtschaft und wollte am liebsten alles verpachten, um endlich Ruhe zu haben. Ja, sowas darf man halt in der Gesellschaft vom Pepi nicht so einfach sagen! Per Handschlag wurde eine Pacht vereinbart und schon schnurrte der morgendliche Kater den Neo-Gärtner in seine botanische Zukunft.

Dass das frisch gepachtete Feld biologisch bebaut werden musste, störte natürlich nicht. Im Gegenteil, „die Arbeit ist so viel spannender und Interessanter!“, meint der Gärtner, der sich dann gleich wieder seiner Lieblingsbeschäftigung – dem Pikieren von Paprikasetzlingen – widmet. „Des måch i jetzt åber nur fias Foto, weu vor der Håckn håb i mi scho in der Lehrzeit immer druckt!“, gesteht er dann doch ein.

Es gibt noch ein paar andere Sachen, die er nicht so gern hat. Zum Beispiel wenn ihm sein Traktor vom Feld gestohlen wird! „Nå jå, vielleicht woa des a bissl leichtsinnig, dass i eam då gånz allaanich åm Åcker stehen lassen håb …“, sinniert er kurz, und dass auch andere, viel größere Traktoren gestohlen wurden und werden, tröstet halt auch nicht so ganz. Aber er hat ja jetzt schon wieder einen neuen und auf den wird er ganz bestimmt besser aufpassen.

Fotos: Pepi Hopf

Eine große Betroffenheits- und Solidaritätswelle ging damals durch die sozialen Netzwerke, denn beliebt ist er, der Pepi Hopf! Wie beliebt er ist, das merkt man beim alljährlich in Haringsee stattfindenden Kabarett-Wochenende im Sommer.

Nicht nur dass da der ganze Ort auf den Beinen ist, um das Fest zu organisieren, auch die Kollegenschaft lässt sich nicht lumpen und folgt dem Ruf des Local Heroes. Mit dem angelockten Publikum kann man mittlerweile locker an zwei Sommerabenden das Zelt am Sportplatz füllen und so hat auch die trostlose Weite des Marchfelds für ein, zwei Tage im Jahr etwas zu lachen.

Wenn er nicht gerade als „Guerilla-Gemüselieferant“ seine Feldfrüchte in Wien und Umgebung an die ernährungsbewussten Abnehmer bringt, dann ist der Hopf in Sachen Lachen das ganze Jahr über im Land unterwegs. Trotz seiner Gärtnerei, die ihn schwer beschäftigt, beschäftigt ihn sein Kabarettistenleben doch noch mehr. „Ich bin schon mehr Kabarettist als Gärtner, weil ich eigentlich mehr nachdenke als arbeite“, gesteht er mir, und auch ein bisschen sich selber schließlich noch ein. Und irgendwie spürt man, dass er beides gern macht.

Das merkt man als Besucher eines Kabarettabends ebenso wie beim Genuss vom Bio-Gemüse. Es ist immer echt, es ist immer frisch! Und trotzdem liefert der verschmitzte Grinser auch stets etwas Nachdenkliches mit. Ständig stolpert man da über den Ernst, der mit Spaß geliefert wird, und jedesmal lässt es sich herrlich nachdenken über die locker servierten Scherze.

Gedankenvoll gesteht er auch, dass die Gärtnerei ihm irgendwie den Druck aus dem Kabarett-Spielen genommen hat. „Es is jetzt irgendwie ållas a bissl entspannter …“, und das tut sowohl dem Spieler, als auch den Bespielten gut. Und diese Entspanntheit merkt man, wenn man den Pepi zu Hause eine Weile beobachten darf, so wie ich. Mit stoischer Ruhe werden Gäste empfangen, Gärtner-Kollegen beraten und lästige Interviews gegeben („schreib wåsd wüüst“). Nebenbei wird gekocht und gelebt und immer, immer wieder wird nachgedacht … oder wenigstens so getan …!

Die Flachheit des Marchfelds spiegelt sich in seinen Witzen nicht, auf das passt er genau auf, da wird nichts dem Zufall überlassen. Dazu ist ihm das, was er macht, viel zu wichtig. Was er macht und was er spielt, das muss er auch sein und daran muss er glauben. Seine Programme entstehen meist beim Autofahren und werden dann während der Aufführungen weiterentwickelt und geschärft. „So nåch dem åchten oder zehnten Moi spüün, sån’s so, dass a fia mi passen“, sinniert er, aber das merkt das Publikum nicht, denn sein strengster Kritiker ist er ja schließlich selber.

Und wenn Sie jetzt zufällig Lust bekommen haben auf Schmäh oder Gemüse, dann schauen Sie auf seinen Terminkalender! Egal ob im Kabarett oder beim Gemüsestand, ein Treffen mit Pepi Hopf lohnt sich immer! Seine Frische überzeugt und wenn Sie sich den weiten Weg ins Flachland antun wollen, um der Seele einen Auslauf zu lassen und sich im Endlosschauen zu üben, dann zahlt sich das immer aus. Aber um eines möchte ich hier noch bitten: Wenn Sie unterwegs auf den Feldern irgendwo einen Traktor stehen sehen, ganz alleine und verwaist, dann lassen Sie ihn bitte stehen! Der gehört bestimmt jemandem …

www.pepihopf.at

Aus der Wein4tlerin Ausgabe Sommer 2017
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