Anita Schwarzböck: Schneewittchen vom Bisamberg

Schneewittchen – so Weiß wie Schnee, so Rot wie Blut und so Schwarz wie Ebenholz – daran müssen wir denken, wenn wir Anita Schwarzböck zum Interview gegenübersitzen. Viel mehr hat sie mit der Märchenfigur allerdings nicht gemeinsam. abgesehen vielleicht von der märchenhaften Entwicklung des Hagenbrunner Weinguts, das heuer sein elftes Jubiläum feiert.

ERZÄHLT VON LILLY DIPPOLD

 

Sieben Zwerge, die sie beim Tagwerk unterstützen, würde sich die toughe Winzersgattin vermutlich schon wünschen. Denn schließlich ist es die zweifache Mutter, die die Schätze, die Rudi Schwarzböck in den Keller bringt, engagiert vermarktet. Die Liebe zum Wein hat die einstige Bundesweinkönigin, die zur Jahrtausendwende die vinophile Vertretung unseres Landes innehatte, vom Opa geerbt. „Er war mit so viel Liebe Winzer und hat schon in den Sechzigern Flaschenweine produziert. Sein Weinkeller war blitzsauber und so geräumig, mit einem gemütlichen Kellerstüberl… “, gerät die 35-Jährige ins Schwärmen. Mit seinen Genen ausgestattet, hat sie sich immer schon sehr für Wein interessiert.
Als sie dann durch Amors Pfeil mit Rudolf Schwarzböck verbunden wurde, war der Weg von einer der renommiertesten Wiener Werbeagenturen zurück zu den Rieden quasi schon besiegelt.

Nun könnte man meinen, wer wie Rudi Schwarzböck aus einer Hagenbrunner Winzerfamilie stammt, kann gemütlich im gemachten Nest Platz nehmen. In diesem Falle ist dies aber weit gefehlt. Denn der elterliche Weinbetrieb wurde damals bestenfalls auf kleinster Sparflamme betrieben, fand doch Papa Schwarzböck seine Berufung in der Landespolitik.

Neustart

Nach Abschluss der Ausbildung folgte Rudolf Schwarzböck seiner Leidenschaft zum Weinbau und beschloss im Jahr 2003 gemeinsam mit seiner Frau in Hagenbrunn ganz neu durchzustarten. Dazu war ein großer Umbau nötig und „der Finanzierungsbedarf war damals sehr viel höher, als der Jahresumsatz des kleinen Weinguts.“ Doch die beiden waren voller Leidenschaft bereit, alles zu tun, um ihren Traum zu verwirklichen. „Wir haben mit sehr hohem persönlichen Einsatz daran gearbeitet“, erzählt Anita Schwarzböck, die mittlerweile aber gut darauf achtet, dass auch Erholungsphasen im turbulenten Winzerleben Platz finden.

„Man kann sich nicht endlos lange auspowern, sondern muss auch mal zur Ruhe kommen“, ist die hübsche Weinviertlerin überzeugt. So achtet sie nicht nur auf ausreichend Raum für das Familienleben, sondern auch auf ihre sieben Stunden Schlaf. „Die brauche ich einfach, damit es mir gut geht“, lacht sie verschmitzt. Zeit muss im Winzerjahr aber neben dem Weinmachen auch für gelegentliche Ausritte bleiben, für Treffen mit den ›Hagenbrunnerinnen‹ oder ein Wellnesswochenende mit Freundinnen. Und natürlich für die zwei jährlichen Familienurlaube, wo es im Winter eine Woche zum Schi fahren geht und im Sommer zum Wandern oder ans Meer.

Leitbetrieb

Heute können Schwarzböcks ihre Auszeiten schon genießen, schließlich hat sich das Weingut in den vergangenen elf Jahren vom Newcomer zu einem der fünfzehn Premium-Weingüter des Weinviertels gemausert. Rudi Schwarzböck bewirtschaftet eine Anbaufläche von rund 23 Hektar, die aber wohl in naher Zukunft noch ein wenig vergrößert werden wird. Dabei werden Lagen in Hagenbrunn, Stützenhofen, Stammersdorf und Enzersfeld gepflegt und gehegt, aus denen fünfundzwanzig verschiedene Weine entspringen. Neben dem Klassiker Grüner Veltliner in verschiedenen Variationen, findet man hier auch Gelben Muskateller, Chardonnay, Riesling, Grauburgunder, Zweigelt und verschiedene Cuvées sowie Süß- und Schaumweine, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Lagen und Böden mit variantenreichem Genuss überraschen.

Längst bleiben Schwarzböck-Weine nicht nur der österreichischen Klientel vorbehalten, denn dank der tüchtigen Vermarktung von Anita Schwarzböck, die sich auch um Messeauftritte und Präsentationen kümmert, werden die Weine in etliche europäische Länder exportiert, sind aber auch in USA und sogar in Asien sehr beliebt.

Doch auf ihren Lorbeeren wollen sich die Schwarzböcks nicht ausruhen und denken laufend über Innovationen nach. „Vor allem Nachhaltigkeit und möglichst umweltschonende Praktiken sind uns sehr wichtig“, erklärt Anita Schwarzböck, die auch immer wieder über eine Zertifizierung zum Bio-Betrieb nachdenkt. Besonders stolz ist man daher am Hagenbrunner Weingut auf Erlebnisse wie im Vorjahr, als es gelungen ist, den Traubenwickler, einen fiesen Schädling im Weingarten, völlig giftfrei aus den Rieden zu vertreiben.

Ihre Ausbildung an der Werbeakademie kommt der engagierten Geschäftsfrau bei ihrer Arbeit natürlich sehr zugute – schließlich hat sie von der Pike auf gelernt, wie man Produkte am besten in Szene setzt. So lässt natürlich auch die Unternehmenskommunikation am Weingut keine Wünsche offen.

Mehrmals im Jahr gibt es Anlässe, das Weingut bei Events zu besuchen, die Weine zu verkosten und mit dem Winzerpaar zu fachsimpeln. Beispielsweise über das vergangene Weinjahr, das ja im Weinviertel so manchen Winzer Nerven gekostet hatte. „Besonders weil der Jahrgang 2014 nicht in die Geschichte eingehen wird, sind wir  stolz auf unsere Weine und auf unsere langjährigen Mitarbeiter. Denn es war eine Höchstleistung, trotz der widrigen Bedingungen saubere, fruchtige Weine zu erzeugen, die vor allem Freunde von leichtem Weingenuss begeistern werden. Für alle, die eher zu kräftigen, vollreifen Weinen neigen, zeigt sich unser Jahrgang 2013 derzeit in absoluter Höchstform“, ist Anita Schwarzböck froh, das schwierige Weinjahr hinter sich zu lassen und auf bessere Bedingungen im neuen zu hoffen.

Heuer ist nun ein großes Jubiläumsfest angesagt, denn auch wenn der Hagenbrunnerin eine Zeitspanne von zehn Jahren im Hinblick auf Traditionsreichtum zu kurz erscheint, ist es doch ein Grund zum Feiern, wie großartig sich das junge Weingut in wenigen Jahren entwickeln und national wie international behaupten konnte.

Eventtipp:
28.11. ab 14 Uhr: 11-Jahres-Jubiläumsfeier
12. Dezember, ab 15 Uhr: Jungweinverkostung

// schwarzboeck.at

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