Anita Mallin: Dreimäderlhaus

Im beschaulichen Örtchen Wolfpassing, im Bezirk Mistelbach, ist das Lächeln zu Hause. Ein Lächeln, das nicht nur von den Lippen geformt wird, sondern eines, das sich über das gesamte Gesicht entfaltet, eines, das die Fröhlichkeit aus den Augen blitzen lässt, eines, das ansteckt. Und das, obwohl das Schicksal gerade erst hart zugeschlagen hat.

Etwas außerhalb des Ortsgebiets weist ein verwittertes Holzschild den Weg „Zum Heurigen“. Genauer gesagt, zum Presshausheurigen Mallin, der hier bereits in dritter Generation mehrmals pro Jahr für Buschenschank-Freuden sorgt. Und der mit einer Vielzahl von liebenswürdigen Geschichten aufwartet, die allesamt für ein Lächeln sorgen.

Anita Mallin (die dritte Generation) erwartet uns vor dem Heurigen, der – wie so viele – seit Monaten vergeblich auf seine Gäste wartet. Seit Papa Franz im vergangenen Sommer verstorben war, führt Anita den Heurigen samt der anhängigen Landwirtschaft gemeinsam mit Mama Margit. Wie gut, dass sie schon im Kindergartenalter wusste, dass sie mal Bäuerin werden will und mit der HBLA für Land- und Ernährungswirtschaft den entsprechenden Bildungsweg eingeschlagen hat. „Und natürlich hab ich sehr viel vom Papa gelernt“, erzählt sie. Und dass die Zusammenarbeit nach ihrer Matura nicht immer so einfach war. „Wir sind halt beide Sturschädel.“ Sie grinst.

Wer glaubt, dass Anita Mallin hier ein spezielles Strahlegesicht fürs Foto aufsetzt, irrt. Ihr ansteckendes Lächeln entspringt ihrem fröhlichen Naturell, ihrer Natürlichkeit und Zufriedenheit, ihren Platz im Leben gefunden zu haben.

 

Seit dem Vorjahr ist die junge Weinviertlerin nun schneller als gedacht in die Verantwortung für den Familienbetrieb gekommen, um den sie sich jetzt zusammen mit Mama Margit kümmert. Egal ob es die Arbeit im Heurigen oder auf dem Feld ist – Anita packt an, wo es grade nötig ist. „Am liebsten beim Dreschen, denn da fährt man schließlich die Ernte eines Arbeitsjahrs ein!“
Auf dem Traktor kann man Anita öfter auch mal mit der Oma an Bord sehen, die auch im Mallin’schen Haushalt lebt. Ein Dreimäderlhaus eben, das nun die Geschicke des Betriebs schupft. Mit einem Lächeln!

Ein Dreimäderlhaus war hier aber auch schon vor etlichen Jahren eifrig am Betrieb beteiligt, als nämlich Anita und ihre beiden Schwestern mit ihrer eigenen kleinen Waffelbude beim Heurigen
erste unternehmerische Erfolge einfuhren. „Da wurde ganz genau abgerechnet“, erzählt Anita vom ersten Selbstverdienten. „Wir haben unsere Stunden penibel aufgeschrieben, wer wie lange mitgearbeitet hat. Von unserer Mama haben wir die Zutaten für die Waffeln gekauft, dem Papa haben wir Miete bezahlt, was übrig blieb, haben wir genau nach unseren Arbeitsstunden aufgeteilt“, schmunzelt Anita auch noch, als sie erzählt, wie begehrt die Waffeln waren, die es übrigens auch heute noch beim Mallin zu genießen gibt. Allerdings beim Heurigen, denn da wo einst das Waffelhäuschen stand, gibt es heute eine andere Attraktion: Hier leben die Hasen, die ein Teil des Streichelzoos beim Heurigen sind. Ein klarer Hinweis darauf, dass Kinder hier höchst willkommen sind! Auf einem großen Areal neben dem Heurigengarten leben auch Ziegen, Hühner und ein Hängebauchschwein, das wir unbedingt besuchen wollten. Dass das Schweinchen deshalb geweckt wurde, quittierte es übrigens mit unmissverständlichem Missmut!

Mehr Freude an unserem Besuch hatten da die Ziegen, die uns auch gleich eindrucksvoll bewiesen, wieviel Spaß das Hüpfen auf dem Trampolin macht! Besonders übrigens zusammen mit den Kindern, die sich hier mit den Tieren amüsieren, während die Eltern eine gemütliche Auszeit genießen.

Und zu dieser Auszeit für die Gäste fällt Anita auch gleich wieder eine entzückende Geschichte ein: Denn zu Heurigenzeiten gab es die Abmachung mit dem Papa, dass er Gäste im Erdgeschoß und im Garten vor dem Presshaus betreut, während Anita für die Gäste im oberen Geschoß zuständig war. Als da aber oft viel weniger los war, startete die engagierte Nachfolgerin flugs eine Umfrage unter den Gästen, warum sie das Erdgeschoß bevorzugten. Die Antworten waren ziemlich eindeutig und so machte sich Anita mit Unterstützung der Familie ans Werk und schuf – als Schulprojekt – an der Gebäuderückseite eine lauschige Heurigenterrasse – ein wenig blickgeschützter als vor dem Haus, mit einem fröhlichen Kinderspielplatz und idyllischer Beleuchtung. Die übrigens von der talentierten Schwester eigens für dieses Projekt kreiert wurde! Der Plan ging auf und die Gäste nahmen den neuen Bereich freudig an!

Über ihre treuen Gäste sind Anita und Margit in diesem Jahr noch ein bisserl glücklicher als sonst. Denn die lange Zwangspause hatten die beiden mit der Aktion „Jause für Zuhause“ verkürzen wollen – die Stammgäste nahmen diese Abhol-Jause nur allzugerne an und die Mallin-Mädels freuten sich über so viel Zuspruch! Wir können uns ein bisserl vorstellen, wie viel Arbeit nun auf den Frauen hier lastet und trauen uns kaum, nach Zukunftsplänen zu fragen. Doch da haben wir uns gehörig getäuscht, denn Anita hat gar einiges in Planung. „Zu allererst muss ich jetzt mal Ordnung herein bringen, denn unser Papa war ein großer Sammler. Er hat nicht nur unglaublich viele Ersatzteile für alle unsere Landmaschinen aufgehoben, denn schließlich konnte er sie auch selbst reparieren. Er hatte ein großartiges Gespür für alle Gerätschaften. Er hat auch alte Traktoren aufgehoben, um sie zu restaurieren. Aber ich brauche heute keine acht Pflüge und fünf Traktoren. Ich muss mich jetzt von Vielem trennen.“ Sie zeigt zum Schuppen neben dem Heurigen, der voller alter Geräte ist und nun geräumt werden soll. Denn mit diesem Gebäude hat die fesche Landwirtin etwas anderes im Sinn. „Hier wird eine Party-Location für Disco, Hochzeiten, Feste und Feiern im großen Stil entstehen“, verrät sie einen ihrer Pläne, denn für größere Veranstaltungen platzt der Heurige schon aus allen Nähten.

Altes wird bei Mallins übrigens nicht zwingend entsorgt. Im Obergeschoß des Heurigen ist so eine Art Heimatmuseum entstanden, das mit einer ganzen Reihe liebenswürdiger Antiquitäten einen besonderen Charme versprüht, wie die ersten Holzskier von Anita oder landwirtschaftliche Geräte aus alten Zeiten.

Und dann hat Anita noch einen quasi bombensicheren Plan in petto, den sie auch möglichst rasch umsetzen mag: Bei ihrer Feldarbeit ist sie nämlich vor einiger Zeit auf eine Granate gestoßen. Das war ziemlich beunruhigend, denn schließlich: Wer kennt sich schon mit diesen Dingen aus und kann beurteilen, ob und wie gefährlich sie sind. Anita Mallin hat sich rasch Hilfe geholt und dabei erfahren, dass es im Weinviertel aufgrund von Zeit und der jahrelangen Bodenbearbeitung nun häufiger zu solchen Funden kommt. Deshalb hat sie vor, für Landwirte aus der Umgebung Informationsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Entschärfungsdienst des Bundesheers zum Thema zu organisieren. „Kaum jemand versteht etwas von diesen Dingen und kann daher ihre Gefährlichkeit nicht einschätzen. Man weiß dann ja auch nicht, wie man sich am besten bei einem solchen Fund verhält.“

Und zwischen all diesen Plänen werden nun die Felder neu bestellt, und die Hoffnung ist groß, dass man im September endlich wieder die lieben Gäste beim Heurigen empfangen darf. Kredenzt wird dann übrigens neben hauseigenem Wein und den Fruchtsäften der Mallins auch wieder Anitas Weichsel-Secco, der einst aus einem unglaublichen Überfluss an Weichseln entstanden war. Und weil sich Anita für keine Schriftart entscheiden konnte, wurden die Etiketten kurzerhand mit ihrer eigenen Handschrift gestaltet. Wenn Sie also zwischen 3. und 12. September unbändige Lust auf Waffeln, Weichsel-Secco oder einfach eine lauschige Auszeit haben, besuchen Sie doch die Mallin-Mädls und machen Sie sich selbst ein Bild von diesem besonderen Lächeln …

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